Alle Tolkien – Enthusiasten haben jetzt sofort ein Bild vor Augen.
Alle anderen denken, ich hätte gekifft.
Aber mal ganz ruhig der Reihe nach. Der Morgen begann mit komischen Geräuschen auf dem Dach unseres Wohnmobils. Es klang, als ob jemand ganz leise auf das Dach klopfen würde. Na, schon eine Idee? Genau, Regen!
Also sind wir erst mal liegen geblieben und haben unseren Schönheitsschlaf weitergeführt. Nicht, dass ich ihn notwendig hätte…
Das es hier regnet, ist auch eigentlich die Regel. Hier fällt die doppelte Regenmenge, die in San Francisco runterkommt. Und da ist es ja auch nicht richtig trocken.
Kurz nach neun ließ der Regen nach, und wir haben uns aus den Kojen geschält. Draußen war es noch dunkel. Obwohl, dunkel war es eigentlich nicht richtig. Die Bäume hier haben nur bis zu einer Höhe von ca. 60 Metern keine Äste, dafür sind die Baumkronen sehr dicht und lassen wenig Licht durch. Daher wirkt es bei Bewölkung so, als wäre schon Abend. War es aber nicht!
Bis alle durch die Morgentoilette durch waren, Frühstück gemacht und die Ober- und Untertrikotage angelegt hatten, war es elf. Auf Empfehlung einer State Park Rangerin haben wir eine Wanderung durch den Natur-Trail gemacht. Dieser Weg ist mit nur etwa einem Kilometer Länge teenagerfreundlich.
Dieser Kilometer hatte es aber in sich. Und jetzt wieder zurück zur Überschrift: man kommt sich vor wie im Fangornwald und wartet darauf, das einer der Bäume spricht. Die Küstenmammutbäume (so heißen sie mit Nachnamen) werden über 100 Meter hoch und sind die höchsten Bäume der Erde. Früher gab es sie fast auf der ganzen Welt (also auch in Essen-Altendorf und Castrop-Rauxel), aber die Eiszeit und die damit einhergehende Vergletscherung haben ihnen den Garaus gemacht. Es gibt nur noch drei Gebiete auf der Welt, wo sie vorkommen: Im Sequoia- Nationalpark, etwa 300 km südlich, dann hier im Redwood National Park und in China. Tja, die Chinesen kopieren auch alles!
Hier in diesem Wald hätte es fast auch keine mehr gegeben, da die Jungs aus der Holzindustrie Dollarzeichen in den Augen hatten, als sie die Redwood-Wälder entdecken. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts, als schon riesige Bereiche abgeholzt waren, haben einige schlaue Leute gemerkt, dass dies einzigartige Wälder sind, und haben sich für die Einrichtung des Nationalparks eingesetzt. Einer davon hieß Rockefeller, ein Waldgebiet ist jetzt sogar nach ihm benannt.











Es ist schwierig, die Größe der Bäume auf Fotos darzustellen, darum mussten Nicole und Aaron für einen Größenvergleich öfter mit auf den Fotos posieren. Ich weiß, der ein oder andere wird jetzt denken, dass ich neben Ents jetzt auch Hobbits in dem Blog erwähne, aber da möchte ich mit voller Inbrunst protestieren!!!
Nach einem Kilometer hatte Aaron genug vom Spazieren, und wir haben ihn wieder im Wohnmobil eingeschlossen. Nicole und ich sind dann nochmal losmarschiert und haben den sogenannten „River Trail“ in Angriff genommen. Man muss kein Raketenforscher sein, um festzustellen, dass der Weg am Fluss entlang führt. Wir sind etwa anderthalb Stunden immer etwa 20 Meter über dem Fluß parallel zu seinem Verlauf gewandert. Und die einzigen, die uns begegneten, waren zwei Mountainbiker. Ansonsten waren wir völlig alleine! So etwas erlebt man in Gelsenkirchen nur in einer Buchhandlung…
Nach dieser anstrengenden Wanderung wurde dann wieder ein Feuer entzündet, und die Jagdbeute der Wanderung landete auf dem Grillrost. Heute gab es selbst erlegtes Opossum.

Morgen verlassen wir Brobdingnag und fahren nach Manchester, zurück an den Pazifik. Mal gucken, wann wir aus dem Bett kommen!