Der Wecker schellte, wir sind aus dem warmen Bett gesprungen und sofort wieder zurück gehüpft! Mann, war das kalt!!! Nicole hat sich erbarmt und ist zum Schalter, der den Warmwasserboiler startet, gelaufen und hat das Wassererhitzen gestartet.
Nach dem Duschen und Frühstücken haben wir uns auf den Weg nach Clearwater gemacht, dem Tor zum Wells Gray Provincial Park. Nach etwa zehn Kilometern kamen wir an einem Schild vorbei, auf dem die Höhe eines Passes angegeben war: Wir befanden uns da auf 1300 Metern Höhe! Kein Wunder, dass es nachts so saukalt war! Unmittelbar danach ging es plötzlich abwärts, mit bis zu 10% Gefälle. Nach etwa 5 Kilometern hatten wir dann wieder eine ebene Fahrbahn vor uns, und nach etwa zwei Stunden Fahrt durch eine traumhafte Landschaft waren wir in Clearwater, einem kleinen Nest mit Tankstelle, Liquor Shop, Supermarkt und Tim Hortons-Filiale. Dort gab es dass nötigste an Fleisch und Gemüse, der Tank wurde gefüllt, und die Straße hatte uns wieder. Und zwar wieder bergauf. Hier in den Columbia Mountains geht es immer nur bergauf und bergab, und der Wells Gray Provincial Park liegt in diesem Gebirge. Er ist nur über eine Straße zu erreichen, 5400 km2 groß und reinste Wildnis. In ihm liegen 41 Wasserfälle, unter anderem der vierthöchste Wasserfall Kanadas, der Helmcken Fall, der das Wasser des Murtle-River 141 m in die Tiefe fallen lässt. Und die Kanadier sagen, dass es hier mehr Bären als Ratten gibt. Na, mal sehen…
Etwa 25 km hinter dem Eingang zum Park haben wir unser Mobil an einem kleinen Parkplatz stehen lassen und sind zunächst alleine auf dem Helmcken Falls Rim Trail gelaufen, um die vier Kilometer zum Wasserfall zurückzulegen. Der Weg ist unbefestigt und führt über Stock und Stein am Wasser entlang. Wobei, so Richtig alleine waren wir nicht, denn Myriaden von Mücken haben uns begleitet. Natürlich haben wir als erfahrene Kanada-Urlauber immer ein Mückenspray dabei. Diesmal natürlich auch. Wobei, dabei ist relativ. Es war nämlich im Wohnmobil. Also sind wir wie die Verrückten den Weg hoch gelaufen, um die Mücken abzuhängen. Nach etwa drei Kilometer haben wir unsere Mitreisenden Manja und Daniel aus Bremen eingeholt, die etwa eine Stunde vor uns losgegangen sind. Sie haben uns gerettet, da sie Insektenabwehrspray dabei hatten. Sie unterhielten sich grade mit zwei Pärchen, eins auf Deutschland und eins aus Holland. Die beiden Pärchen waren auch auf dem Weg zu den Fällen, sind aber umgekehrt, weil ihnen nur wenige hundert Meter vor uns ein Bär den Weg versperrt hatte. Da hatten sie Angst und sind wieder zurückgegangen. Also, wenn ich zwei Holländer dabei hätte und einen Bären treffen würde, da wüsste ich schon, was ich mache! Auf keinen Fall umkehren! Ich hätte den Holländern jeweils ein Würstchen in die Tasche gesteckt und sie Richtung Bär geschupst!
Na ja, jeder ist halt seines Glückes Schmied.
Wir sind dann zu viert weitergegangen und haben eine traumhafte Aussicht auf die Wasserfälle genossen, inklusive Regenbogen! Aber noch ohne Bären.




Dann ging’s wieder zurück zum Auto. Da sind uns tatsächlich Leute entgegengekommen, die Schellen am Arm hatten, um Bären abzuschrecken! Ich glaube eher, dass sie damit die Essensglocke für die Bären läuten. Übrigens haben wir einige Wanderer auf dem Weg getroffen, und es waren alles Deutsche! Wir haben den Weg dann in Teutonentrail umbenannt.
Nach besteigen des Schlafmobils ging es weiter bis Leute mit Kameras am Straßenrand standen. Bären Nicole ist aus dem Auto getürmt und konnte noch ein paar Fotos vom Meister Petz machen!

Da isser, wenn auch ein bisschen weiter weg…
Es ging dann 10 km auf asphaltierter Straße und 25 km auf einer Schotterstraße mit Schlaglöchern weiter. Diesmal ohne Bären. Unser Campground für die nächsten zwei Nächte liegt direkt am Clearwater Lake und heißt Clearwater Lake Campground. Wie überraschend. Und er liegt wirklich in der absoluten Wildnis. KEIN TELEFONEMPFANG! KEIN INTERNET! Dann müssen wir uns schon wieder unterhalten!!! Das ist wirklich ein anstrengender Urlaub!!!
Die Regenbögen sind soooo schön!!🤩
Klasse Bilder vom Wasserfall und dem Regenbogen.